Diese Seite wurde zuletzt am 22.10.2013 geändert
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Fortbildung erfolgreich abgeschlossen: Holger Wallitzer-Eck, Inklusionsberater

"Inklusion und Schule" nannte die evangelische Akademie Bad Boll eine Tagungsreihe zwischen November 2012 und Juli 2013. Wer alle Module, einschließlich einer Bildungsreise nach Italien, besuchte, konnte sich am Ende "InklusionsberaterIn" nennen. Ungefähr zwanzig Teilnehmer nahmen dieses Angebot wahr. Kultusminister Stoch überreichte ihnen jetzt am Ende der Fortbildung schriftlich und mündlich seine Glückwünsche. Unter ihnen waren Jutta Hönes von der GLGL-Elterninitiative Göppingen und Holger Wallitzer-Eck, Vorstandsmitglied der Elterninitiative Rhein-Neckar e.V. Hier ihr Bericht von einem spannenden Weg:

Thematisch begann die Tagungsreihe mit dem Thema "Heterogenität im Schulalltag" mit der Frage "Wie können wir eine Lernkultur entwickeln, die von der individuellen Person der Schülerin, des Schülers ausgeht?" Die Basis dafür entsteht in unser aller Haltung und einem Perspektivenwechsel in den Schulen. Das war die Leitlinie aller Module.

Dabei zeigte sich die "Systemische Sicht auf Schul- und Unterrichtsentwicklung" als besonders hilfreich. Priorisierung des individualisierten Lernens und die Entwicklung von heterogenitätsgerechtem Unterricht scheinen Eckpfeiler für den gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderungen zu sein. Schülerinnen und Schüler rücken in den Mittelpunkt. Lehrerinnen und Lehrer werden zu Lernbegleitern, die vom Inputgeber über den Lernhelfer zum Korrektiv und Unterstützer für die Lerngruppe und dem einzelnen Kind werden. Die Kompetenzorientierung der Schülerinnen und Schüler ergibt im schulischen Ablauf ein Geflecht aus gruppendynamischen und selbstgesteuerten Prozessen. Kooperative Lernformen sind fester Bestandteil des Unterrichtsgeschehens. Die Effektivität des Lernens erhält so ein sehr hohes Niveau für alle Schülerinnen und Schüler. Denn: "Je heterogener eine Lerngruppe zusammengesetzt ist, desto höher sind die Lernchancen für alle!", referierte Dr. Wildt.

Als einer der wichtigsten Faktoren für ein Gelingen des gemeinsamen Unterrichts kristallisierte sich die Teamentwicklung heraus. Ohne ein funktionierendes Klassenteam, dessen Mitglieder gleichberechtigt, wertschätzend und auf Augenhöhe miteinander den gemeinsamen Unterricht planen und durchführen, scheint ein Gelingen kaum möglich. Dagegen wird ein "Einzelkämpfer" am hohen Anspruch einer heterogenen Gruppe auf kurz oder lang scheitern. Denn in einem inklusiven Setting sind alle Lehrkräfte für alle Kinder zuständig.

Kommunikation und nochmals Kommunikation in den Regelsteuerkreisen zur Schulentwicklung und Teambildung in unterschiedlichsten Konstellationen ist Fazit aus gleich mehreren Tagungsteilen gewesen. Kommen doch alle Beteiligten mit recht unterschiedlichen Voraussetzungen und Problemstellungen, eigenen Wünschen und gegebenen Vorbedingungen zusammen. Der deutschsprachige Index für Inklusion von Ines Boban und Andreas Hinz hilft mit seinen Fragestellungen bei der Bewältigung sehr komplexer Problemstellungen. Zeit und Muße während des laufenden Schulbetriebs dafür freizuschaufeln ist schwierig und unter einigen Schulleitern nicht gerade beliebt.

Am nachhaltigsten beeindruckt hat uns der Besuch von Lehrern und Schülern der Helene-Lange-Schule aus Wiesbaden und der Laborschule Bielefeld zum Thema "Bewertung und Notengebung". Diese haben sie nämlich unter anderem wegen des Widerspruchs zur bisherigen Notengebung und ihrem Vielfaltskonzept abgeschafft und durch ein System von Lernentwicklungsberichten (LEB) ersetzt. Mitgereiste Schülerinnen und Schüler stellten die Arbeitsweise und den Alltag ihrer Schulen vor. Beeindruckend waren auch die mitgebrachten Arbeitsmaterialien, Wochen- Monats- und Jahresarbeiten vieler Klassenkameraden. Nur allzu gerne hätten die anwesenden Tagungsteilnehmer die sehr schön erstellten Arbeiten als Vorbereitungshilfe für ihren eigenen Unterricht mitgenommen.

Optimistisch stimmte uns in Bezug auf die Notengebung, dass bei den abnehmenden Ausbildungsbetrieben und Universitäten ein echtes Umdenken stattfindet. Die LEB's sind aussagekräftiger und beschreiben zutreffender die vielfältigen Kompetenzen der abgehenden Schülerinnen und Schüler als eine einzige Note.

Abgerundet wurde die Tagungsreihe durch die Bildungsreise nach Italien. In Vicenza und Padua konnten wir einen Eindruck davon gewinnen, wie Inklusion in Schulen und Berufsschulen umgesetzt wird. Überzeugt haben uns die klar geregelte landesweite Gesetzgebung und die Selbstverständlichkeit aller Beteiligten bei der Umsetzung des gemeinsamen Unterrichts. Im Gegensatz zu Deutschland mangelt es dort nicht an positiver Haltung und notwendigem Umsetzungswillen, vielleicht jedoch in manchen Regionen an besserer Ausstattung und Unterrichtsentwicklung.

Uns beiden als Eltern von Schulkindern mit und ohne Behinderung hat diese Tagungsreihe einschließlich der Bildungsreise verdeutlicht, dass es sich lohnt, sich auf den Weg zu machen. Dass es sich lohnt die Sichtweisen der anderen anzuhören, zu reflektieren und selbst seine Argumente, Befürchtungen und Ideen einzubringen.

Jutta Hönes und Holger Wallitzer-Eck